Verschenkt statt verkauft – Sechs Gründe, warum Angestellte vom Prinzip kostenlos profitieren
Geschrieben am: 22-05-2012 | Abgelegt in: Büro-Alltag
Ein Gastbeitrag von Kerstin Hoffmann
Es gibt nur wenige Dinge, die mehr werden, wenn man sie teilt. Fachwissen gehört dazu. Wenn Sie Ihre Expertise ängstlich hüten und vor anderen schützen, können Sie zwar sicher sein, dass auch niemand anders die Lorbeeren erntet. Dafür erfährt aber auch keiner, was in Ihnen steckt. Wer sein Wissen dagegen freigebig an andere weiter verteilt, leistet mehr als nur die gute Tat. Er nützt damit auch sich selbst.
Wer nämlich die passenden Kanäle wählt und die richtigen Empfänger erreicht, kann sich schnell einen Experten-Status erarbeiten, der buchstäblich bares Geld wert ist. Das gilt natürlich vor allem für Unternehmen. Wer eine Sache besser beherrscht als andere, kann getrost das verschenken, was er weiß. Denn selbst mit den gleichen Informationen hat die Konkurrenz noch lange nicht dasselbe Können. Berater, Trainer, Rechtsanwälte, Mediziner … die Liste derer, die mit Fachwissen punkten können, um ihre eigentliche Dienstleistung zu verkaufen, ist lang.
Freiberufler profitieren vom „Prinzip kostenlos“ ebenso wie größere Unternehmen, in denen ganze Teams bloggen, Vorträge halten und für den Arbeitgeber im Social Web Expertise beweisen. Was Angestellte – gleich in welcher Position – dabei häufig unterschätzen, sind die positiven Auswirkungen auf die eigene Expertenrolle in der Öffentlichkeit.
Wer nicht mitmacht, existiert für viele bald nicht mehr
Allerdings sind auch viele Firmen nicht gerade scharf darauf, dass ihre besten Fachkräfte im Internet als Experte Gesicht zeigen. Schließlich könnte das auch Headhunter und Mitbewerber auf Ideen bringen… Doch vermeiden lässt sich dieser Trend, gerade im Web, ohnehin auf Dauer nicht. Firmen, die im Internet nicht präsent sind, werden über kurz oder lang immer weniger wahrgenommen werden. Und Firmen-Darstellung nach außen funktioniert eben besonders gut über Gesichter und reale Personen. Unternehmen werden sich daher in Zukunft andere Modelle überlegen müssen, um gute Mitarbeiter an sich zu binden.
Das Bewusstsein dafür, wie wichtig es ist, dass zum Beispiel das eigene XING-Profil ordentlich aussieht und aktuell ist, wächst. Unterschätzt wird häufig alles, was über die Selbst-Darstellung hinausgeht. Wer die Chance hat, für seine Firma öffentlich zu bloggen, zu twittern und als Experte aufzutreten – ob real oder virtuell –, sollte diese Chance unbedingt nutzen. Es steigert nämlich nicht nur den Marktwert des Arbeitgebers, sondern auch den eigenen. „Personal Branding“ heißt das Stichwort.
Unbedingt mit dem Arbeitgeber abstimmen!
Unbedingt beachten sollten Sie dabei natürlich die Vorgaben Ihres Arbeitgebers. Denkbar ist auch, dass Sie zu Ihrem Spezialthema ein privates Blog betreiben. Auch wenn viele Unternehmen in ihren Social-Media-Guidelines lediglich verlangen, dass die Mitarbeiter private Kanäle deutlich als solche kennzeichnen: Hier müssen Sie natürlich besonders vorsichtig sein, dass Sie keine Firmengeheimnisse ausplaudern oder Meinungen veröffentlichen, die den Interessen Ihres Arbeitgebers zuwiderlaufen. Wenn Sie dagegen für diesen bloggen, twittern oder sprechen, stellt er ihnen sogar die Strukturen zur Verfügung, auf deren Basis sich ihre Expertise entfalten kann. Je größer das Unternehmen, desto komplexer und länger sind oft die Abstimmungs- und Freigabeprozeduren.
Es lohnt sich also, bestimmte Strukturen von Anfang an gründlich zu durchdenken, damit alles Weitere problemlos läuft.
Geheimhaltungspflichten, juristische und innerbetriebliche Besonderheiten sind zu berücksichtigen. In Zweifelsfällen sollte nichts ohne Abstimmung geschehen. Wenn aber der Rahmen geklärt ist und Sie die Freigabe haben:
Hier sind sechs gute Gründe, warum es sich für auch für angestellte Fachleute lohnt, ihr Wissen mit anderen zu teilen.
Sie sichern Ihre Existenz
Die Zukunft der Unternehmenskommunikation liegt in den meisten Branchen (auch) im Internet. Unternehmens-Blogs und -Präsenzen im Social Web gewinnen an Bedeutung. Vorträge und Symposien im realen Leben bieten sich aber ebenfalls an, um das besondere Know-how einer Firma nach außen bekannter zu machen. Das Fachwissen im Unternehmen ist aber kein abstrakter Bestand, sondern es ist verankert in den Köpfen der Mitarbeiter. Wer also sollte im Auftrag Ihres Arbeitgebers darüber schreiben oder sprechen, wenn nicht Sie?!
Sie steigern Ihren Wert für das Unternehmen
Es ist in vielen Firmen ein großes Problem, die entsprechenden Fachleute zum Schreiben, Sprechen, Wissen-Teilen zu motivieren. Schließlich sind sie auch mit ihrer eigenen Arbeit meist schon ausgelastet. Das weiß jeder, der schon einmal ein Unternehmensblog aufgebaut hat, an dem mehrere mitwirken sollen. Wer sich hier jedoch profiliert, macht sich schnell unentbehrlich. Gerade im Social Web verankern sich abstrakte Unternehmen am besten über Personen im Gedächtnis der Empfänger. Sie zeigen also für Ihren Arbeitgeber Gesicht. Das ist nicht mehr so leicht austauschbar. Hinzu kommt: Auch intern wird endlich mal wahrgenommen, was Sie wirklich draufhaben!
Sie profilieren sich als Experte und steigern Ihren Marktwert
Das ist der Punkt, den Ihr Arbeitgeber gar nicht gerne hört. Aber wenn Sie sich mit hochwertigem Fachwissen zeigen, dann wird das auch außerhalb Ihres Unternehmens wahrgenommen werden. Auf diese Weise können Sie über die Medien und Plattformen Ihres Arbeitgebers einen Ruf als Experte in ihrem Fachgebiet oder in einer Branche aufbauen. Das stärkt natürlich auch Ihre Verhandlungsposition im Unternehmen. Damit muss Ihr Arbeitgeber leben. Wenn er klug ist, weiß er sowieso, was er tun muss, um Sie zu halten.
Sie mehren das eigene Fachwissen
Wissen-Teilen ist nie einseitig. Wer großzügig publiziert, leistet einen wertvollen Beitrag zum Nutzen aller, bekommt aber meist noch mehr zurück. Im Austausch und im Netzwerk mehrt sich das gemeinsame Wissen. Sie können Ideen erproben und mit anderen diskutieren. Marktforschung, Testläufe, Kundenmeinungen … – je nach Fach und Branche gibt es vielfältige Möglichkeiten, gezielt Feedback einzuholen.
Sie lernen interessante Kontakte kennen
Jeder, der in irgendeiner Weise publiziert, Wissen mit anderen teilt, sich zu Themen austauscht, weiß, wie schnell das Kreise zieht. Sie kommen in Kontakt mit anderen Menschen, von denen Sie sonst nie erfahren hätten. Wahrscheinlich werden Sie bald Anfragen – etwa zu Vorträgen oder Diskussionen – erhalten.
Sie trainieren Ihre Fertigkeiten
Viel zu wissen ist das eine. Wissen zu vermitteln ist das andere. Über das eigene Fach zu publizieren hilft, eigene Inhalte zu sortieren und zu strukturieren. Es trainiert das Erklären-Können und das Weitergeben. Sie üben sich darin, fachliche Inhalte so aufzubereiten, dass sie bestimmten Zielgruppen besonders viel nützen. Das kommt Ihnen auch in der Berufspraxis zugute.
Ihr Arbeitgeber hat noch gar kein Unternehmensblog oder Firmenmagazin? Vielleicht können Sie ihn ja mit den richtigen Argumenten überzeugen. Erst recht, wenn Sie ihm anbieten, dass Sie die passenden Inhalte liefern!
Über die Autorin
Kerstin Hoffmann ist Kommunikationsexpertin, Bloggerin und Autorin. Als Beraterin verbindet sie Wissen und Handwerk der klassischen PR mit den neuen Möglichkeiten des Social Web. Als Autorin hat sie sich gerade mit dem „Prinzip kostenlos“ beschäftigt. So heißt ihr neues Buch, in dem Kerstin Hoffmann zeigt, wie Unternehmen, Berater und Dienstleister neue Kunden gewinnen, ihre Bekanntheit steigern und ihre Umsätze erhöhen, indem sie ihr Wissen verschenken. Weitere Informationen zum Buch gibt es HIER.

























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